Vegane Ernährung muss auf keinen Fall mit Verzicht oder gar Verboten einhergehen. Im Gegenteil - sie kann sogar extrem bereichernd sein!

Vegane Ernährung – Verzicht oder Zugewinn?

Wer sich (noch) nicht mit veganer Ernährung auseinandergesetzt hat oder gerader erst damit anfängt, bringt damit vor allem erstmal eines in Verbindung: all die Lebensmittel, die jetzt „verboten sind“. Wer sich rein pfanzlich ernährt, wird oft gefragt, was er oder sie denn überhaupt noch essen „dürfe“.

Ich antworte auf solche Fragen gerne etwas in Richtung: „Natürlich darf ich noch Käse aus Kuh- oder Ziegenmilch essen. Ich möchte es aber nicht.“, denn niemand verbietet mir, dies oder jenes zu essen und es gibt auch keine Vegan-Polizei, die sofort Alarm schlägt, sobald ich mich einem tierischen Produkt nähere.

Natürlich kann man sich darauf fokussieren, welche Lebensmittel mit der veganen Ernährung aus dem Speiseplan fallen, viel schöner finde ich es aber, zu schauen, welche dafür hinzukommen und welche neuen Möglichkeiten für Rezepte sich dadurch ergeben. (Und ganz nebenbei finde ich es ziemlich großartig, auch an sehr heißen Tagen Pommes mit Mayo essen zu können, ohne sofort Angst vor einer Salmonellenvergiftung haben zu müssen. Aber das ist nochmal eine andere Geschichte.)

Neue Lebensmittel und Lebensmittelgruppen

Es klingt total übertrieben, aber seit ich vegan esse, habe ich ernährungstechnisch eine völlig neue Welt kennengelernt. Hülsenfrüchte und Nüsse waren für mich jahrelang nur komisches Beiwerk, das ich hin und wieder eher zufällig zu mir genommen habe, wenn Mama mal Linsensuppe gemacht oder ich mir Studentenfutter gekauft habe. Das sind zwei ganze Lebensmittelgruppen, die ich quasi ignoriert hatte und das obwohl sie jede Menge gesundheitsfördernde Bestandteile mit sich bringen, wie z.B. Ballaststoffe und wichtige Fettsäuren!

Rote Beete Tonda di Chioggia
Eine meiner Neuentdeckungen: Ringelbeete mit dem klangvollen Namen Tonda di Chioggia

Zusätzlich dazu gibt es auch einzelne Lebensmittel, die ich erst kennengelernt habe, als ich anfing, mich mit einer rein pflanzlichen Ernährung auseinanderzusetzen. Verschiedene, teils alte Sorten von Paprika, Zucchini, Tomaten und Auberginen zum Beispiel – vorher habe ich immer nur die genormten Standardvertreter aus dem Supermarkt gekauft. Oder Steckrüben! Steckrüben sind ein wunderbares Wintergemüse, das ich erst vor ein, zwei Jahren für mich entdeckt habe.

Die vegane Ernährungsweise hat mich extrem neugierig gemacht – einerseits darauf, mehr über meinen Körper und die Nährstoffe, die er braucht, zu lernen, andererseits auf Lebensmittel, die ich bis dahin noch nie in der Küche verwendet hatte. Ich würde sogar so weit gehen, zu behaupten, dass ich ehrgeiziger geworden bin, zumindest was Experimente in der Küche angeht.

Neue Rezepte und Küchenstile

Und damit wären wir auch schon bei Punkt 2. Die traditionelle Küche, mit der ich aufgewachsen bin, hat abgesehen von der Linsensuppe und dem Puffbohnensalat (jep, das Zeug heißt so und ist eine Erfurter Spezialität) nicht viel für Hülsenfrüchte übrig gehabt. Ganz anders sieht das aus, wenn ich mir andere Küchenstile so anschaue. Da gibt es Linsen-Daal, Hummus, Bohnenaufstriche, Chili sin Carne und Wraps mit Kidneybohnen, um nur einige Beispiele zu nennen.

Ich habe mich bis vor ein paar Jahren nie getraut, etwas zu kochen, das irgendwie indisch angehaucht war, weil ich Angst hatte, dass ich diesen würzigen, cremigen, umarmenden Geschmack, den viele Gerichte dieser Küche haben, nicht hinbekommen würde und hinterher enttäuscht wäre. Mittlerweile gibt es hier alle paar Wochen Daal oder Tofu Tikka Masala und bald bin ich wohl auch soweit, mich an Samosas ranzutrauen.

Mit den neuen Lebensmitteln in meinem Leben kamen zahlreiche neue Rezepte, Zubereitungsformen, Kräuter und Gewürze, die ich mit der Zeit wiederum selbst abwandelte und das auch immer noch tue. Was meine Koch- und Backfähigkeiten angeht, hat mich die vegane Ernährung wirklich ungemein bereichert und ich bin total dankbar, wie viele neue Gerichte ich dadurch entdecken durfte – ich liebe gutes Essen einfach!

Vegane Ernährung kann so bunt sein, wie dieser Bright Lights Mangold, der mit seinen gelben, roten und pinken Stielen für gute Laune sorgt.
Mangold der Sorte „Bright Lights“ – so bunt kann vegane Ernährung sein.

Pflanzliche (Halb-) Fertigprodukte

Der ein oder die andere (mich eingeschlossen) kann aber trotzdem nicht ganz ohne den Joghurt, das Schitzel, den Käse oder das Rührei zum Frühstück. Glücklicherweise leben wir aber in einer Zeit, in der es für (fast) alles ein entsprechendes veganes Pendant auf dem Markt gibt, das dem tierischen Produkt in Konsistenz und Geschmack in so gut wie nichts nachsteht. Einige können sogar ganz einfach selbst zu Hause zubereitet werden.

Natürlich sollte klar sein, dass eine pflanzliche Ernährung, die überwiegend aus sogenannten Ersatzprodukten besteht, alles andere als ausgewogen ist. (Das ist eine mischköstliche Ernährung, die überwiegend aus tierischen Produkten besteht auch nicht.) Hier gilt es, eine gesunde Balance zu finden zwischen Comfort Food und vollwertiger, also nährstoffreicher Kost.

Der Vollständigkeit halber auch noch ein Satz zur Zutatenliste solcher Produkte: Ja, die wirkt auf den ersten Blick erschreckend lang, oft sind Zucker oder zu viel Salz zugesetzt. Wir sollten uns aber vor Augen halten, dass das Lebensmittel sind, die wir in Maßen zu uns nehmen, nicht als Grundnahrungsmittel. Genauso kritisch können wir übrigens ruhig mal die Inhaltsstoffe tierischer Wurstprodukte in Augenschein nehmen. Und ein Burgerpatty aus Gemüse, das mit Hilfe von Johannisbrotkernmehl zusammengehalten wird, ist mir allemal lieber als ein Fleischburger, dessen Antibiotikarückstände aus Gründen lieber gar nicht erst auf der Zutatenliste stehen. (Das ist allerdings auch schon wieder eine andere Geschichte.)

Kurz gesagt: Ich habe durch die vegane Ernährung extrem viel dazugelernt, Neues ausprobiert und tolle Lebensmittel und Produkte entdeckt, kann also definitiv einen riesigen Zugewinn verbuchen (und das obwohl ich Eier in Senfsoße und Käse geliebt habe). Alles, was es braucht, sind ein wenig Offenheit und der Mut, hin und wieder mal was Neues zu wagen.

Ernährst du dich vegan? Falls ja, fehlt dir etwas? Und falls nein, was fürchtest du, würde dir fehlen? Schreib mir gerne eine Mail, wenn du dir bei der Ernährungsumstellung unsicher bist. Ich unterstütze dich gerne mit der für dich passenden Beratung.

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