Minimalismus ist toll. Sobald wir die Wohnung einmal ausgemistet haben, lebt es sich gleich viel unbeschwerter. Mit ein paar einfachen Tipps bleibt das auch so.

Minimalistisch bleiben – 10 rebellische Tipps gegen den Konsum

Vor Kurzem bin ich in einem Blogger-Forum auf einen Artikel aufmerksam geworden, in dem eine Bloggerin ihren Unboxing-Artikel einer Abobox beworben hat. Der Inhalt dieser Kiste: die neuen Food-Trends. Von der fertig abgepackten To-go-Mahlzeit mit Quinoa bis zum Einhorntörtchen war da alles drin, was das Konsumentenherz begehrt.


Aber tut es das wirklich? Brauchen wir immer sofort das Neueste vom Neuen?

Während ich immer noch wie hypnotisiert auf die Vorschau des Titelbilds starrte, wurde ein Gedanke in meinem Kopf immer lauter: „Wer braucht so einen Scheiß? Und wer gibt für sowas ernsthaft Geld aus?“
Und dann musste ich an mein Küchenregal denken, das ich vor zwei Wochen ausgemistet habe und konnte mir ein schuldbewusstes Grinsen nicht verkneifen. Meine aussortierten Lebensmittel bestanden hauptsächlich aus Superfood-Pulvern: Weizengras, Carob, Baobab, Moringa. Ich bin vor einiger Zeit dem Superfood-Hype verfallen, habe so viel wie möglich von dem Zeug in meine Smoothies gemixt, um möglichst viel Gesundes in möglichst kurzer Zeit zu mir zu nehmen.
Das ging etwa einen Monat so. Dann hatte ich die Nase voll davon und die Gläser und Dosen sind in der hintersten Ecke des Regals verschwunden und wurden nie wieder angerührt.
Im Grunde ist das doch mit jedem Trend so: Am Anfang ist alles neu und aufregend, man muss es sofort haben und ausprobieren. Nur um dann nach kurzer Zeit zu merken, dass man eigentlich auch sehr gut ohne diese neue Sache auskommt – und es vorher ja auch ohne funktioniert hat. Und das trifft eben leider nicht nur auf „dieses eine“ Kleid, zu , was seit Jahren im Schrank verstaubt, sondern auf so ziemlich alles, was man käuflich erwerben kann.


Ausmisten ist nur der Anfang

Irgendwann packt es einen dann. Man regt sich auf, weil man trotz vollem Kleiderschrank nichts zum Anziehen findet. Man flucht, weil einem aus dem Küchenschrank alles entgegen fliegt, sobald man die Tür öffnet. Und dann beschließt man, im großen Stil auszumisten. Alles was man nicht braucht, nicht benutzt, oder nicht mehr anzieht, muss raus – möglichst sofort.
Ich kenne solche Aktionen nur zu gut und sie sind ein wunderbarer Zeitvertreib für regnerische Nachmittage. Allerdings ist das nur die Spitze des Eisbergs. Um unser Anhäuf-Problem in den Griff zu bekommen, müssen wir es tief unten an der Wurzel packen. (Und das erfordert einiges an Geduld und Disziplin.)
Es geht im nächsten Schritt nämlich darum, zu verhindern, dass sich wieder unnütze Dinge in der Wohnung ansammeln. Und dafür müssen wir sehr stark sein.


Ständig sagt man uns, wir sollen kaufen. Und zwar reichlich.

Letzte Woche war ich mit meiner Mama bei real und während wir in der Gemüseabteilung die Zutaten für unser Abendessen zusammensuchten, wurden wir alle paar Minuten über die Lautsprecher beschallt. „Heute im Angebot: frisches Rinderhack zu xy Euro das Kilo. Greifen Sie zu!“, „Frische Heidelbeeren für nur 4,99 pro Korb. Greifen Sie zu!“, „Besuchen Sie unsere Snack-Ecke. Würstchen im Brötchen für den Hunger zwischendurch. Greifen Sie zu!“, … So viele Hände zum Zugreifen hab ich überhaupt nicht, man!
Ich möchte gar nicht wissen, wie viele Leute an diesem Tag Hack und Heidelbeeren, oder Bockwurst im Brötchen gekauft haben, obwohl es eigentlich gar nicht auf ihrer Einkaufsliste stand. Einfach nur, weil die Frau mit ihrem Mikrofon ein Bedürfnis geweckt hat, das gar nicht da war.
Und das ist noch harmlos. Sobald wir irgendwo Werbung sehen, wird uns eine Lösung für ein Problem angeboten, das noch gar nicht existiert, bis wir das Plakat, oder den Spot sehen. Und plötzlich fühlen wir uns zu dick, zu faltig, zu untrainiert, oder brauchen dringend noch etwas, das unseren Alltag „erleichtert“, denn schließlich kann der ja noch bis ins Unendliche optimiert werden.


Wir glauben nicht mehr an den Weihnachtsmann, warum dann an Marketingversprechen?

Wann haben wir eigentlich angefangen, Weihnachtsmann, Osterhase und Co. zu hinterfragen? Und warum machen wir nicht genau das mal mit dem, was uns in der Werbung versprochen wird?
Haarschadenlöscher? Fältchenradierer? Wimpernbooster? Come on…
Ich begegne Neuem und Unbekanntem zwar mit Neugier und Offenheit, aber auch ich habe meine Grenzen.
Mittlerweile halte ich es sogar für ratsam, eine gewisse Ignoranz für all das zu entwickeln, was jeden Tag neu auf den Markt geworfen und dann in Megafon-Manier als die einzige Rettung vor dem Untergang der Selbstachtung, des Status, oder des Familienfriedens angepriesen wird.
Um immun gegen Werbung und all ihre Versprechen zu werden, ist es nötig, ein wenig aus seiner Komfortzone zu klettern und alte Gewohnheiten über Bord zu werfen. Das klingt jetzt erstmal anstrengend, macht aber eigentlich sogar ziemlichen Spaß.
 

1. Weniger Fernsehen

Wie oft bist du eigentlich genervt, weil die spannendste Stelle des Films plötzlich mit Werbung unterbrochen wird? (Hat eigentlich mal jemand die Zeit gestoppt, wie viel der Sendezeit eines Spielfilms im Fernsehen für Werbung draufgeht?) Die gute Nachricht: du kannst das umgehen!
Mittlerweile gibt es so viele Online-Plattformen, auf denen du Filme und Serien für kleines Geld anschauen kannst – entweder im Monatsabo, oder durch einen Einzelkauf. Manchmal kannst du Filme sogar online „leihen“ und bezahlst dann nochmal deutlich weniger, da du ihn nur einmal anschauen kannst. Die bekanntesten dieser Plattformen sind wohl Netflix und Amazon Prime.
Der positive Nebeneffekt des ungestörten Filmschauens: du wirst nicht mit Werbung beschallt, die dich in Versuchung führt. Du schlägst also zwei Fliegen mit einer Klappe und kannst dir außerdem frei aussuchen, was du heute schauen möchtest. Dem nächsten Binge-Watching mit dem/der Liebsten steht also nichts mehr im Wege!
Youtube ist zusätzlich dazu eine gute Quelle für informative Clips und (Kurz-)Filme.
 

2. Newsletter abbestellen

Es gab mal eine Zeit, in der mein E-Mail-Postfach an chronischer Überfüllung litt. Schuld daran waren Newsletter. Nervige, bunte Mails von irgendwelchen Firmen, für die ich mich irgendwann mal angemeldet hatte und unter denen meine wichtigen E-Mails zu verschwinden schienen.
„Kennen Sie schon unser neues Produkt? Sie werden es lieben!“ Ja sicher.
Sammle solche Newsletter mal für ein paar Tage in deinem Postfach und nimm dir dann einen halben Abend Zeit, um sie alle abzubestellen. Das ist meistens ziemlich unkompliziert und funktioniert über einen winzig kleinen Link, der am ganz untersten Ende der Mail versteckt ist. Spam adé!
 

3. „Optimierungszeitschriften“ meiden

Wenn ich mir mal eine Zeitschrift kaufe (was äußerst selten passiert), dann ist das entweder eine Yoga-thematisierende, oder das Flow Magazin. Ich war aber auch eine Zeit lang mal sehr anfällig für eine Gattung Zeitschriften, die ich gerne als „Optimierungsblättchen“ bezeichne. Das sind Magazine, die dir sagen, wie du schneller fit wirst, besseren Sex hast und welchen unnötigen Krempel du in diesem Sommer unbedingt brauchst.
Diese Zeitschriften gibt es sowohl für weibliche, als auch für männliche Leser und suggeriert dir nicht nur, dass an dir und deinem Körper dringender Optimierungsbedarf herrscht, sondern besteht auch über zur Hälfte aus Werbeanzeigen für Produkte, die genau diesen Bedarf vermeintlich decken können.
Ganz im Ernst: Ich find‘ mich gut, so wie ich bin. Und deswegen kaufe ich sowas nicht mehr.
Inspiration für Rezepte, Einrichtung, Fitness, Kosmetik und alles, was mich sonst noch interessiert, hole ich mir heute ausschließlich auf Blogs. Da kann ich mir nämlich auch aussuchen, was ich lesen möchte und kaufe nicht 50-80% Werbeanzeigen dazu. Eine gute Quelle, um thematisch passende Blogs zu finden und alle Artikel im Überblick lesen zu können, ist Bloglovin. Einfach mal nach den Schlagworten suchen, die dich interessieren.
 

4. „Bitte keine Werbung einwerfen!“

Ein kleiner Aufkleber am Briefkasten angebracht und schon wirst du von unnötigen Werbeprospekten verschont. Spart dir nicht nur lästige Werbung, sondern schont auch gleichzeitig Ressourcen.
 

5. Inhaltsstoffe kennenlernen

Wenn ich zu DM gehe, bin ich immer mächtig stolz auf mich. Denn abgesehen von ein paar Lebensmitteln wandert dort nichts anderes in meinen Einkaufskorb. Keine Kosmetik. Null.
Auch das war nicht immer so und ich bin sehr froh, dass ich die Zeit, in der ich die Kokos-Sonnencreme und das Duschgel mit der schönen Verpackung unbedingt haben musste, hinter mir gelassen habe.
Was ist passiert?
Ich habe mich mal ein bisschen mit den Inhaltsstoffen der Kosmetika auseinandergesetzt. Und dann ein bisschen mehr. Und dann wollte ich das Zeug einfach nicht mehr auf der Haut haben. Eine gute erste Anlaufstelle ist Codecheck. Hier kannst du Produkte suchen und bekommst dann die Inhaltsstoffe aufgeschlüsselt. Da Codecheck mittlerweile aber nicht mehr ganz so zuverlässig ist, empfehle ich dir, im Zweifel die Stoffe einfach mal in die Suchleiste reinzuhauen. Grundsätzlich gilt: je kürzer die Zutatenliste und je hochwertiger die Inhaltsstoffe, desto besser. Eine erste Inspiration liefern dir vielleicht meine Artikel über Pflanzenölseifen und Arganöl.
 

6. Belohn‘ dich

Ab und zu sollte man sich auch mal was gönnen, da sind wir uns wahrscheinlich einig. Versuche doch einfach mal, eine Zeit lang nichts zu kaufen und belohne dich anschließend mit einem ähnlichen, aber hochwertigen Produkt. So sammelst du keinen minderwertigen Ramsch an, hast aber trotzdem ein schönes Erlebnis und schonst Ressourcen. Am besten kombinierst du diesen Tipp mit Punkt 7:
 

7. Die Wunschliste

Dieser Minimalismus-Trick ist nicht umsonst super beliebt. Wenn du das Bedürfnis verspürst, etwas zu kaufen, – sei es ein paar Schuhe, ein neues T-Shirt, oder ein Lippenstift – warte damit! Setz das Produkt auf eine Wunschliste und lass es dort 30 Tage stehen. Das erfordert im ersten Moment ein bisschen Disziplin, aber es wird oft schon nach wenigen Tagen einfacher. Meist ist es nämlich so, dass du diese Sache, die du unbedingt haben wolltest, nach kurzer Zeit vergessen hast.
Schau am Ende des Monats auf diese Liste. Wenn du dich an das Produkt erinnerst und es wirklich noch möchtest, kauf es dir. Wenn nicht, willst du es eigentlich gar nicht haben. Wenn du dir dann etwas von der Liste gönnst, kannst du ganz sicher sein, dass du lange Freude an diesem Produkt haben wirst.
 

8. Alternative Einkaufsstätten besuchen

Ich habe es oben schon angedeutet: in „herkömmlichen“ Supermärkten wird man oft von allen Seiten mit Kaufempfehlungen beschallt und aus jeder Ecke leuchten einem grelle Produktverpackungen und reduziert-Schilder entgegen. Das lässt sich ganz einfach umgehen, indem du deine Einkäufe einfach woanders erledigst. Wochenmärkte, Unverpackt-Läden und kleinere Bioläden sind super Anlaufstellen dafür. Außerdem ist das Einkaufen hier deutlich entspannter. Hier gibt es weitere Infos zum unverpackten Gemüseeinkauf.
 

9. Budgets setzen

Diese Taktik fällt mir momentan noch etwas schwer, auch wenn ich weiß, dass sie sehr effektiv ist. Um unnötige Spontankäufe zu vermeiden, kannst du dir monatliche Budgets für bestimmte Bereiche setzen – Betrag x für Kosmetika, Betrag y für Klamotten, usw.
Am Besten packst du dir die entsprechenden Beträge in Umschläge und benutzt diese immer nur für die jeweilige Kategorie.
 

10. Entspann dich

Manchmal geht es einfach mit einem durch und man schmeißt alle guten Vorsätze über den Haufen. Das passiert. Mach dich deswegen nicht verrückt. Niemand ist perfekt, oder wird von heute auf morgen zum Superhelden – und das muss auch nicht sein. Bleib nett zu dir selbst und nimm es dir nicht krumm, wenn es mal nicht so klappt, wie geplant. Es gibt immer ein nächstes Mal.
 
Was sind deine Taktiken, um unnötigen Kram zu vermeiden und gegen den Konsumwahn zu rebellieren?
Minimalismus ist toll. Sobald wir die Wohnung einmal ausgemistet haben, lebt es sich gleich viel unbeschwerter. Mit ein paar einfachen Tipps bleibt das auch so.

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