Wenn wir achtsam essen, ist das nicht nur eine leicht in den Alltag integrierbare Form der Meditation, sondern auch ein Beitrag zu unserem Wohlbefinden.

Achtsam essen – Was bringt das?

Das Tolle an Achtsamkeit ist, dass wir sie ganz einfach in nahezu jeden Bereich unseres Alltags integrieren können. Irgendwo habe ich mal den Satz „Man kann ALLES achtsam machen.“, gehört und kann dem nur zustimmen: Viele Tätigkeiten laufen im Autopilot ab und sie alle können wir uns wieder bewusst machen – so zum Beispiel auch das Zubereiten und Essen von Lebensmitteln.

Natürlich sind wir zu einem gewissen Grad achtsam, wenn wir das Messer schwingen und uns darum bemühen, dass das Essen in unserem Mund landet statt daneben, aber – sind wir mal ehrlich – so wirklich nehmen wir das meist gar nicht wahr. Es ist aber möglich, mit ein paar einfachen Fragen und Impulsen, unsere Nahrungsaufnahme und auch das Kochen zu einem kleinen Erlebnis zu machen und (jetzt lehne ich mich ziemlich weit aus dem Fenster) eine völlig neue Welt zu entdecken. Ja, das hab ich gerade wirklich gesagt.

Welche Vorteile hat achtsames Essen?

Ich gebe zu, als ich das erste Mal so wirklich richtig achtsam gegessen habe, war ich auf einem Yoga Retreat, dessen Abendessen am zweiten Tag in Stille – also komplett schweigend – eingenommen wurde. Ich bin es aus meiner Kindheit gewohnt, dass am Tisch nicht rumgealbert möglichst wenig bis gar nicht gesprochen wurde, trotzdem hat sich diese komplette Stille im ersten Moment mehr als merkwürdig angefühlt – vor allem weil ich mit der Zeit gemerkt habe, wie schön es sein kann, während des Essens mit den Menschen, die mit mir am Tisch sitzen, zu quatschen. Warum also sollten wir das unterlassen und stattdessen unser Essen anstarren?

Wenn wir achtsam essen, ist das nicht nur eine leicht in den Alltag integrierbare Form der Meditation, sondern auch ein Beitrag zu unserem Wohlbefinden.

Wenn wir achtsam essen, bringt das einige nicht von der Hand zu weisende Vorteile mit sich – sowohl aus geistiger als auch aus ernährungsphysiologischer Sicht.

Wer sich voll und ganz auf das Gericht auf dem Teller konzentriert und versucht, es in all seinen Facetten und mit allen Sinnen wahrzunehmen, kann sich erstmal nicht großartig mit anderen Dingen beschäftigen – allen voran mit denen, die tagtäglich so durch unsere Köpfe geistern. Achtsames Essen ist also eine wunderbare Meditation, die wir ganz einfach jeden Tag in unsere Routine einbauen können und die uns dabei hilft, einen Gang runterzuschalten, Stress abzubauen und, je nach Mahlzeit, den Tag in Ruhe zu beginnen oder ihn hinter uns zu lassen.

Auf meinem Yoga Retreat habe ich also nach ein paar Minuten des Unwohlfühlens angefangen, das Essen in Stille als meditative Übung anzunehmen und tatsächlich fand ich es bald so gut, dass ich am nächsten Abend freiwillig damit weitergemacht habe. Dabei ist mir aufgefallen, dass ich viel schneller satt wurde als sonst.

Wenn wir achtsam essen, tun wir das in der Regel langsamer als wenn wir während der Nahrungsaufnahme von irgendetwas abgelenkt werden. Dadurch nehmen wir viel schneller wahr, wenn wir satt sind. (Der Sättigungszeitpunkt wäre beim unachtsamen Essen gleich, wir nehmen ihn so bloß früher wahr.) Wir neigen also nicht mehr so leicht dazu, über unseren Hunger hinaus zu essen. Tschüss, Food Coma! Wer außerdem gerne abnehmen möchte, kann im achtsamen Essen somit einen starken Verbündeten finden.
Und es gibt noch einen Vorteil: Durch das langsame Kauen der Nahrung wird diese schon gut zerkleinert, bevor sie im Magen landet und ist somit viel leichter verdaulich und unter Umständen auch besser bekömmlich.

Wenn wir achtsam essen, ist das nicht nur eine leicht in den Alltag integrierbare Form der Meditation, sondern auch ein Beitrag zu unserem Wohlbefinden.

Gute Gründe? Find ich auch! Deshalb folgen jetzt ein paar Impulse, wie du das Ganze einmal ausprobieren kannst. Es ist natürlich kein Muss, alles zusammen anzuwenden und es wird sehr wahrscheinlich auch nicht jeden Tag möglich sein, achtsam zu essen. Oft genug passiert halt einfach das Leben. Hin und wieder ein, zwei dieser Übungen einzubauen, hilft trotzdem dabei, ein Bewusstsein aufzubauen – und das ist immer ein guter erster Schritt, aus dem oft ganz von alleine viele weitere folgen, auch wenn sie noch so klein sind.

Achtsamkeit beim Einkaufen

Achtsamkeit in Bezug auf unsere Lebensmittel kann sogar schon beim Einkaufen anfangen, indem du dir das Obst und Gemüse in der Auslage mal etwas genauer anschaust, Form und Farbe vergleichst und schaust, welcher Apfel, welche Paprika oder welche Tomate dich ganz intuitiv besonders anspricht. Ich kann hierfür einen Besuch auf dem Wochenmarkt wärmstens empfehlen. Erstens hat es dort natürliches Licht anstelle der Farben verändernden Leuchtröhren im Supermarkt und zweitens gibt es einfach wesentlich mehr unterschiedliches, regionales Obst und Gemüse, das nicht eine gewisse Norm erfüllen muss. Krumme Möhren und noch nicht gekannte Sorten warten dort nur darauf, entdeckt zu werden und mit etwas Glück, gibt es dort den ein oder anderen Leckerbissen zu probieren.

Beobachtungen am Herd

Achte, wenn du Obst oder Gemüse schneidest, einmal ganz bewusst auf den Geruch und das Geräusch beim Schneiden. Wie klingt ein Apfel, wie eine Gurke und wie ein Brot, das du frisch aufschneidest? Das ist ziemlich Zen und kann extrem beruhigen.

Bist du auch Team Multitasking? Ich mache beim Kochen gerne noch andere Dinge nebenbei. Hauptsächlich finde ich mich tatsächlich am Handy wieder. Was neben Social Media aber viel spannender ist, ist wie sich die Zutaten beim Kochen langsam verändern. Zwiebeln werden langsam glasig, Pilze schrumpfen zusammen und irgendwann ist die Soße plötzlich eingedickt. Vielleicht versuchst du mal, diesen Prozess ein bisschen genauer zu verfolgen, das kann ziemlich faszinierend sein.

Meistens packe ich mir mein Essen einfach irgendwie auf den Teller – Hauptsache es geht viel drauf. Manchmal finde ich es aber auch sehr meditativ, ein Gericht besonders schön anzurichten. Das hat auch ein bisschen was von Selbstfürsorge, wenn ich für mich etwas zaubere, das ich so oder so ähnlich auch im Restaurant vorgesetzt bekommen würde. Wer besonders tief in die Anrichte-Meditation einsteigen möchte, kann sich ja mal an einer Smoothie Bowl probieren.

Achtsam essen

Hier kommt mein absolut wichtigster Tipp, wenn es um Achtsamkeit beim Essen geht: Fernseher aus! Radio auch. Und alles andere auch. Einfach nur aufs Essen konzentrieren. Das ist erstmal ungewohnt und vielleicht empfindest du die Stille auch als unangenehm. In diesem Fall hilft vielleicht ein bisschen sanfte Instrumentalmusik. Ich kann dir aber auf jeden Fall sehr empfehlen, mal ganz ohne Ablenkung zu essen – das machen wir in der Regel nämlich so gut wie nie.

Wenn wir achtsam essen, ist das nicht nur eine leicht in den Alltag integrierbare Form der Meditation, sondern auch ein Beitrag zu unserem Wohlbefinden.

Wer wirklich ausschließlich auf das Essen fokussiert ist, genießt es meist auch viel mehr, kaut länger und isst langsamer. Die Gefahr, dann übers Sättigungsgefühl hinaus zu essen und ins Fresskoma zu verfallen, ist somit deutlich geringer. Anbei noch ein paar Impulsfragen, die dir dabei helfen können, achtsam zu essen:

  • Wie riecht dein Essen? Kannst du bestimmte Gewürze, Kräuter oder andere Zutaten benennen?
  • Beachte einmal die Konsistenz der zubereiteten Lebensmittel? Wie hat sie sich im Vergleich zu vor der Zubereitung verändert?
  • Probiere jede Zutat getrennt von einander. Wie unterscheiden sie sich in Konsistenz und Geschmack? Könntest du die mit geschlossenen Augen erkennen?
  • Kannst du spüren, wie dein Köfper durchs Essen Energie tankt? Das ist ein bisschen fortgeschritten, aber vielleicht kannst du einen kleinen Energieschub spüren.

Und zu guter Letzt: Wie fühlst du dich nach dem Essen? Energiegeladen oder eher müde? Wenn wir achtsam essen, können wir viel einfacher erkennen, was unserem Körper guttut und was nicht. Teilweise machen sich sogar Unverträglichkeiten frühzeitig bemerkbar und wir können entsprechend darauf reagieren.

Natürlich ist es nicht immer möglich, sich so viel Zeit zu lassen, manchmal muss es einfach schnell gehen. Ab und zu ein bisschen Entschleunigung ins Kochen und in die Nahrungsaufnahme zu bringen, kann aber sehr guttun – körperlich wie seelisch. Wichtig ist, dabei nett zu sich selbst zu sein, auch wenn es mal nicht zu 100% und auf Anhieb klappt. Wie immer geht es auch hier um Übung. Hast du achtsames Essen oder Kochen schon einmal ausprobiert? Vielleicht ja auch (noch) ganz unbewusst?

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