Marienkäfer

Von Schreibblockaden und Themenirrelevanz

Kennst du das, wenn du ein Projekt, das dir sehr am Herzen liegt, eine ganze Weile unbeachtet verstauben lässt, obwohl du eigentlich so viel daran arbeiten möchtest? Obwohl es dir so wichtig ist, dass du dich am liebsten jeden Tag dransetzen und etwas Kreatives dafür erschaffen würdest? Aber irgendwie kommt nichts. Du bist total blockiert, dir fällt nichts ein und so machst du lieber gar nichts.
Mir ging es jetzt lange Zeit so. Yay For Today dümpelte so vor sich hin, ohne dass so wirklich etwas passierte. Auf Instagram postete ich zwar ab und zu mal, der Blog und seine Facebookseite verkümmerten aber immer mehr. Es tat sich nichts und es tut sich auch im Moment noch nichts.
Warum das so ist, habe ich lange nicht verstanden. Ich möchte doch so gerne, habe so viel zu sagen, so viel zu erzählen. Trotzdem habe ich nie die richtigen Worte, geschweige denn ein „richtiges“ Thema gefunden. Was meine ich mit dem richtigen Thema? Nun, ein Thema, das hierher passt. Eigentlich sollte man meinen, dass ich mit Yoga, Naturkosmetik, veganer Ernährung und Nachhaltigkeit im Allgemeinen breit genug aufgestellt bin, um einen sinnvollen Beitrag zu mindestens einem dieser Themen verfassen zu können. Eigentlich.
Das Ding ist, dass in letzter Zeit extrem viel in meinem Leben passiert ist. Vieles, über das ich ellenlange Artikel schreiben könnte. Leider habe ich diese Artikel aus einem ebenso simplen wie dämlichen Grund nicht geschrieben: Sie passen thematisch nicht auf den Blog. Es geht nämlich weder um Yoga, noch um Nachhaltigkeit, sondern um persönliche Entwicklung.
In den letzten zwei Monaten habe ich viel über mich selbst im Speziellen und das Leben im Allgemeinen gelernt. „Wer bin ich?“, „Was will ich?“, „Was möchte ich erschaffen?“ und „Wo zur Hölle wandert mein ganzes Geld ständig hin?“, sind nur einige Fragen, die ich mir gestellt und auf die ich einige ziemlich aufschlussreiche Antworten gefunden habe. Der Weg zu diesen Antworten war lang, manchmal sehr beschwerlich, dann wieder kam ein sehr leichtes Stück, ein wenig bergab, ein wenig bergauf. Einen Teil ging ich alleine, die meiste Zeit hatte ich aber sehr unterhaltsame Begleiter. Das Kuriose an der ganzen Sache ist, dass ich weiß, dass ich noch lange nicht am Ziel bin. Dieser Weg wird stetig weiter gehen und ich könnte jetzt schon so viel darüber berichten.
Ich habe es aber nicht getan, weil ich mir Folgendes in den Kopf gesetzt hatte:

Das, was ich gerade durchlebe, interessiert sowieso niemanden.
Es passt überhaupt nicht zu meinem Blogthema.
Außerdem ist es überhaupt nicht bedeutungsvoll genug.
Warum sollte ich es dann aufschreiben und veröffentlichen?
Also mache ich es auch nicht.

Nun ist es aber so, dass ich wahnsinnig gerne schreibe. Manchmal verdränge ich das, rede mir ein, ich hätte keine Zeit dafür und wieso soll ich überhaupt was schreiben, wenn es am Ende eh keiner liest? Und während ich das so schreibe, merke ich selber, wie paradox das ist, denn im Grunde habe ich ja einen wunderbaren Kanal, über den ich alles, was ich schreibe, einer Leserschaft eröffnen kann. Diejenigen, die es interessiert, werden es lesen. Und die, die es nicht interessiert, lesen es halt nicht.
Eigentlich ganz einfach, wäre da nicht die Bedeutungslosigkeit bzw. die Themenirrelevanz.
Ich war so darauf versteift, dass ich mich mit meinem Blog auf eine Handvoll bestimmter Themen festgelegt habe, dass ich meine Gedanken dort nicht veröffentlichen wollte. Sie passen ja schließlich so gar nicht hier rein und wenn ich eigentlich über Yoga und Nachhaltigkeit schreibe, dann sollte ich doch etwas schreiben, das dazu passt. Etwas mit Sinn und Verstand bitteschön.
Und genau hier liegt mein Denkfehler und ich bin mir ziemlich sicher, dass es noch viele andere kreative Menschen da draußen gibt, die die gleichen verqueren Gedanken haben. Erst durch das Lesen von Liz Gilberts Big Magic bin ich schließlich zu folgendem Schluss gekommen:

Wenn ich etwas Kreatives erschaffe, dann mache ich das für mich, weil es mir Spaß macht.
Was ich schreibe und veröffentliche, muss nicht wahnsinnig hochtrabend, oder informativ, oder aufklärend sein.
Es kann, darf und sollte in erster Linie meiner Unterhaltung, meinem Spiel mit der Kreativität dienen und mir Freude bereiten. Wenn ich dabei andere Menschen inspirieren kann, ist das ein klasse Nebeneffekt, aber niemals das Ziel.

Denn das ist doch eigentlich das, was ich mit Yay For Today vermitteln möchte: das Gefühl von Freude am Leben, am heutigen Tag, am jetzigen Moment, von Leichtigkeit, Verspieltheit und von Neugier auf Neues, Schönes und Aufregendes.
Letztlich hatte ich keine Schreibblockade im Sinne von „Mir fällt nichts ein, was ich schreiben könnte.“, sondern vielmehr habe ich mich selbst blockiert, weil ich mir eingeredet habe, meine Ideen seien nicht gut genug, oder unpassend. Und ehrlich gesagt ist das nicht das erste Mal. Um ganz genau zu sein, denke ich das ständig in den verschiedensten Lebensbereichen.
Deswegen habe ich beschlossen, mir nicht von meinen Blogthemen (die ich mir ganz nebenbei bemerkt ja auch selbst ausgesucht habe *hust*) diktieren zu lassen, was ich zu schreiben habe und was nicht. Vielmehr werde ich ab jetzt so lange an den Kategorien herumschrauben, neue hinzufügen und vielleicht sogar alte ersetzen, bis es für mich passt und ich all meinen Gedankenwust unterbekomme. (Da sich meine Gedanken allerdings hauptsächlich um Essen, Yoga und Naturkosmetik drehen, werden wohl eher weitere dazu kommen, als dass hier irgendwas gelöscht wird.)
Die wohl wichtigste Erkenntnis aus meinem langen schreibtechnischen Schweigen ist, dass ich selber Herrin über meinen Blog bin. Dass ich ihn ins Leben gerufen und gestaltet habe und dass ich ihn ganz nach meinen Vorstellungen auch erweitern und umgestalten kann. Wenn jemand hier irgendwas blockiert, dann bin das ich allein.
Und die auf jeden Fall allerwichtigste Erkenntnis ist, dass es mit meinem Leben genauso ist.
In diesem Sinne: frohes Gestalten!

 

Tags: No tags

7 Responses

Add a Comment

Your email address will not be published. Required fields are marked *